Viele Menschen tippen „Wie viel Geld schenkt man zur Hochzeit?“ in eine Suchmaschine. Es ist eine der meistgesuchten Geldfragen überhaupt. Laut fragt das niemand, denn Geld ist das letzte echte Tabu. Jede Zahl klingt geizig oder angeberisch, sobald man sie ausspricht. Hier ist deshalb eine ruhige Antwort, mit echten Zahlen und der beruhigenden Tatsache dahinter.
Warum sich jede Zahl falsch anfühlt
Das Unbehagen hat einen klaren Grund. Ein Hochzeitsgeschenk ist eine der wenigen Ausgaben, die andere zu sehen bekommen. Irgendwann weiß das Paar ungefähr, was alles gekostet hat, bei einem Geldgeschenk sogar auf den Euro genau. Deshalb fühlt sich der Betrag wie eine öffentliche Aussage darüber an, wie viel dir die beiden wert sind, und so betrachtet fühlt sich keine Zahl gut an. Der Ausweg ist, den Betrag als das zu sehen, was er ist: ein Faktor unter mehreren, und nicht der, an den sich später jemand erinnert.
Die drei Dinge, die den Betrag wirklich bestimmen
Wie nah ihr euch steht. Das kommt zuerst. Als grobe Orientierung, nicht als Regel: Für Kollegen oder Bekannte, denen du nicht besonders nahestehst, sind 25-50 € in Ordnung. Für Freunde 50-100 €. Für enge Freunde oder die Familie, etwa als Tante oder Onkel, 100 € oder mehr, wenn du es dir leisten kannst. Kein vernünftiger Mensch ist über einen Betrag innerhalb dieser Spannen gekränkt.
Ob du zur Feier kommst und was dich das kostet. Vielleicht reist du weit an, übernachtest im Hotel und kaufst ein neues Outfit. Deine Anwesenheit kostet dich also schon Geld, und die Konvention berücksichtigt das tatsächlich. Wer Hunderte Euro ausgegeben hat, um überhaupt da zu sein, darf weniger schenken, ohne sich dafür zu entschuldigen. Manche halten sich noch an die Regel, das Geschenk müsse das eigene Gedeck bezahlen, also pro Person mindestens so viel wert sein wie das Essen. Es ist Zeit, sich von dieser Regel zu verabschieden. Du bist Gast, nicht Kunde, und den Ort haben die beiden ausgesucht, nicht du.
Was du dir wirklich leisten kannst. Das Paar hat einen Menschen eingeladen, keinen Kontostand. 20 € von jemandem, der gerade erst anfängt und sie sich kaum leisten kann, zählen voll. 100 €, die jemand mit gutem Polster aus Gewohnheit gibt, zählen nicht mehr. Gib, was zu deiner Lage passt. Mehr zu geben, als du dir leisten kannst, wirkt wie eine Show, und es fällt aus den falschen Gründen auf.
Woran sich das Paar wirklich erinnert
Dieser Teil beruhigt. Studien zu Geschenkpreis und Dankbarkeit stoßen immer wieder auf dieselbe Lücke. Der Preis sagt voraus, wie viel Dankbarkeit die Schenkenden erwarten, meist aber nicht, wie dankbar das Paar tatsächlich ist. Paare erinnern sich daran, wer gekommen ist, wer etwas Echtes in die Karte geschrieben hat, und an die wenigen Geschenke, die ganz offensichtlich ausgesucht wurden. Das beste Geschenk ist nur selten auch das teuerste, und Hochzeiten sind da keine Ausnahme. Niemand denkt gerührt an die Summe im Umschlag zurück.
Die Frage verschiebt sich also. Bring den Betrag mit den drei Faktoren oben ungefähr ins richtige Maß. Steck den Rest deiner Sorgen dann in die Wahl des Geschenks, denn genau die bemerkt das Paar.
Hochzeitsliste, Geldgeschenk oder eigene Idee
Wenn es eine Hochzeitsliste gibt, such dir daraus etwas in deinem Preisrahmen aus. Ein Geschenk, das sich das Paar gewünscht hat, ist zuverlässig besser als ein improvisiertes. Geld, hierzulande ohnehin das übliche Hochzeitsgeschenk, oder ein Beitrag zu einem Wunsch wie der Hochzeitsreise ist ein Geschenk wie jedes andere, wenn das Paar darum bittet, und erst die Karte dazu macht es persönlich. Du kannst auch etwas abseits der Liste kaufen, aber nur, wenn du den Geschmack der beiden wirklich kennst. Wann das klappt und wann nicht, haben wir in einem eigenen Artikel aufgeschrieben.
Wenn du dich gegen die Liste entscheidest, such etwas aus, das zu dem Leben passt, das die beiden wirklich führen. Entscheidend ist, wie gut das Geschenk zu ihnen passt, nicht der Betrag. Erzähl uns, wer sie sind: das Paar, ihr Stil und der Betrag, den du dir vorgenommen hast. Dann wischst du durch Geschenke, die in diesen Rahmen passen.
